Aus meinem Leben geplaudert
Geboren 1949 in Freiburg/Schwarzwald, aufgewachsen in einem Handwerks- und Gewerbebetrieb und arbeite ich noch immer und gern als selbstständiger Unternehmer. Das Thema „Wirtschaft“ und Freud’ und Leid der Selbständig- und Eigenverantwortlichkeit begleitet mich von Anfang an.
Ludwig Erhard begegnete ich persönlich, als er die Festrede zur Namensgebung „meines“ Wirtschaftsgymnasiums auf „Walter-Eucken-Gymnasium“ hielt, jedoch nicht im Unterricht. Erstens lebte er noch und zweitens war er durch den Verlust von Regierungsämtern aus der Mode gekommen, also kein Tagesthema mehr.
Die 1960er-Jahre brachen als Schlüsseljahrzehnt vieles um: Politisch war es etwa die dramatischste Dekade des Kalten Krieges: 1961 Mauerbau in Berlin, 1962 Kuba-Krise und Spiegel-Affäre, 1963 Ermordung J.F. Kennedys, ab 1965 die Verschärfung des Vietnamkrieges, ab 1966 die Kulturrevolution in China, die 68er-Unruhen in Mitteleuropa, 1968 Ermordung Martin Luther Kings und Bob Kennedys.
Mit Juri Gagarin als erstem Menschen im All startete 1961 der Dekaden-Mediendauerbrenner Raumfahrt, der neue Maßstab für technische Überlegenheit. Geschockt vom Vorsprung der UdSSR setzten sich die USA das ehrgeizige Ziel, im gleichen Jahrzehnt den ersten Menschen auf dem Mond zu landen, was einen hoch spannenden Wettbewerb der „Supermächte“ mit unzähligen Weltraummissionen auslöste. Zeitgleich wie ich mein gymnasiales Ziel erreichten die US-Amerikaner 1969 das ihre.
Mit einem Paukenschlag setzten seit ihrem internationalen Durchbruch 1963 vier Pilzköpfe aus Liverpool einen Sound, der die Welt generationenübergreifend veränderte. Wie wenig Perspektive und Lebenssinn diese materielle Welt angesichts der sozialen und politischen Realität großen Teilen der westlichen Jugend dennoch bot, wurde nicht bemerkt. Auf dieses Vakuum traf im ausklingenden Jahrzehnt der spirituelle Lehrer Osho mit seiner 1970 gegründeten Sanyasi-Bewegung.
Als Jugendlicher wuchs man mit der allseits vermittelten selbstverständlichen Vorstellung auf, das „Gute“ liege westlich des Eisernen Vorhanges, das „Böse“ östlich desselben. Doch diese, mir in den wirtschaftsbezogenen Schulfächern auffallende Einseitigkeit, weckte meine Neugier. Als begeisterter Radiohörer, der mit seinem „Weltempfänger“ (Eine Rundfunkempfängerentwicklung bis in die 1970er-Jahre) oft bis spätabends in den Äther lauschte, stieß ich auf die Frequenzen, auf denen Radio Moskau seine deutschsprachigen Sendungen ausstrahlte. Nicht nur die Nachrichtensendungen lehrten mich, wie unterschiedlich gleiche Sachverhalte mit demselben Anspruch auf Gültigkeit interpretiert werden konnten. Doch die Wirtschaftsthemen waren es, die mich veranlassten, mit den Redaktionen zu korrespondieren – mit Briefpost muss man heute dazusagen, weil es elektronische Medien noch nicht gab. Mir wurde bald klar, dass der Westen kaum weniger ideologieverhaftet war, Wahrheiten ausklammerte oder uminterpretierte, wenn sie die eigenen Ziele störten. Dass ich dieses Muster durchschaut hatte, sorgte zum einen für Konflikte, schuf zum anderen auch wertvolle Chancen, etwas erst einmal stehen und wirken lassen zu können, um es nötigenfalls zu hinterfragen – in der Rückschau etwas sehr Wertvolles, das die Schule unbeabsichtigt vermittelte.
Überschneidend zu meiner Ausbildung zum Masseur und medizinischen Bademeister scheiterte ich am Numerus clausus für Psychologie, begann stattdessen ein Medizinstudium und belegte freiwillig Vorlesungen im „Institut für angewandte Physiologie der Universität Freiburg“ mit Schwerpunkt Hydro- und Balneologie. Nach Auslandsaufenthalten, einigen Monaten als Masseur auf einem sowjetischen Kreuzfahrtschiff und veränderter beruflicher Zielsetzung begründete ich in 1976 als Naturheilkundler einen Kurbadebetrieb mit dank einem Team von qualifizierten festen und freien Mitarbeitern einem ungewöhnlich breiten Spektrum an Behandlungsangeboten und überregionalem Einzugsgebiet. Es vergingen viele aktive Jahre mit Ehrenämtern in Berufsverbänden, am längsten in der Industrie- und Handelskammer. Parallel engagierte ich mich bei Themen mit teils haarsträubenden Entwicklungen für unsere politische Gesellschaft (Wyhl, Prager Frühling, Staatsterror gegen Hausbesetzungen, Bau B 31 Ost, zunehmende staatliche Bevormundung und Nötigung etc. etc.). Beides um mein Familien- und Unternehmerleben herum, die den Ast bedeuten, auf dem man sitzt. In 2018 führte ein weiterer Schub an strukturellen staatlichen Eingriffen in das Tagesgeschäft dazu, dass ich mich, ausgelöst durch den Tod meines älteren (Halb-)Bruders Anfang Januar, entschied, den Betrieb zum Jahresende einzustellen.
Die Bestrebungen, das Gesundheitswesen seit der Jahrtausendwende durch eine sog. „Gesundheitswirtschaft“ durchgängig zu kommerzialisieren, um „einen wachsenden Zukunftsmarkt zu erschließen“ und es zu einer „eigenständigen Säule der Wirtschaft“ zu etablieren, haben negative Auswirkungen auf die Menschen, insbesondere auf die arbeitende Bevölkerung. Aus einer intensiven inhaltlichen Auseinandersetzung mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, der im Grunde feindseligen Übernahme Ostdeutschlands nach dem Mauerfall, dem Niedergang der EU und der Verrohung des öffentlichen Diskurses entstand das im Jahr 2019 erschienene Buch „Ludwig Erhards Apokalypse – ein Glücksfall“; denn Erhard hatte diese Entwicklung bereits um 1955 kommen sehen.
Der bewusste Weg zu Ludwig Erhard führte verschlungen über den „Russischen Chor“ der Albert-Ludwigs-Universität zu Freiburg (siehe Anmerkung).
Die beiden unspektakulären Verbindungen zu Erhard zündeten eines Tages das Interesse, mich mit dem geistigen Fundament seiner Wirtschaftspolitik zu beschäftigen. Dass der „Aufschwung Ost“ trotz der „Sozialen Marktwirtschaft“, die einst die BRD erblühen ließ, nicht fruchtete, machte mich stutzig. Schon nach kurzem Einlesen spürte ich einen Sog, ich fand die Worte, die mir fehlten, und fand bei ihm auch eine Verwandtschaft im Denken.
Der Coronavirus erwies sich bereits vor der Ausrufung der Pandemie im März 2020 nicht als der Killer, zu dem er aus anderen Gründen bereits in massivster Weise instrumentalisiert und erfolgreich perpetuiert wurde. Bereits am Tag der ersten Coronaverordnung habe ich mit einer mehrseitigen Schrift und medizinischen Handlungsempfehlungen erfolglos einen Fuß in die Türe des Sozial- und später Staatsministeriums gestellt. Meine noch im März 2020 publiziertes e-Book „Corona&Co – Abwehrkräfte wirksam stärken“ war sofort vom Netz. Als in Folge mehr und mehr selbst Koryphäen aus zuständigen Fachgebieten, deren Meinung von der gesetzten Meinung abwich, öffentlich Gehör verweigert und zu Unpersonen erklärt wurden, erklärte sich die Täuschung der Öffentlichkeit, um eine Agenda nach einem ausschließlich auf Pharmainteressen ausgerichteten Plan durchzuziehen, den das RKI bereits 2012 in einer Bundestagsdrucksache veröffentlichte.
Diese Erkenntnisse, insbesondere der Bruch mit bewährten Methoden und Infrastruktur zur Prävention und Therapie, führten dazu, meinen durch Tuchfühlung über Jahrzehnte gewachsenen Unmut über die Entwicklung des Gesundheitswesens zu artikulieren und 2021 in Buchform unter dem Titel „Epochenschwelle – Kommerzialisierte Gesundheit und ihr Stiefkind Immunsystem“, zu dem Prof. Dr. Stefan Hockertz das Vorwort beisteuerte, zu veröffentlichen.
Der in der ‚Energiekrise‘ quasi kollektive Totalausfall selbständigen Denkens und vor allem verantwortungsbewusstem Handelns der mittelständischen Unternehmerschaft, der Industrie- und Handelskammern und Branchenverbänden waren mir Anlass, in 2023 das Buch „Verpaßter Ungehorsam zur rechten Zeit“ herauszubringen.
Noch als das Buch herauskam, gehörte ich über Jahrzehnte zu der Mehrheit der Mitglieder, die eine Pflichtmitgliedschaft, nicht aber die IHK ablehnten. Doch zweifelte ich angesichts der beschämen machenden Verhaltensmuster der IHKn, ob es deren Auftrag ist, den Narrativen aus Politik und Interessen der Finanz-/Konzernwirtschaft Multiplikator zu sein.
Es brauchte die Reihe unfasslicher, sehenden Auges und wissenden Geistes öffentlich getätigter wahrheitsverdrehender Behauptungen wie bspw. der des abgewählten grünen OB Freiburgs und anschließendem Hauptgeschäftsführers der IHK Dr. Salomon, Russland sei für die Energiekrise verantwortlich, um nach rund 50 Jahren durch lohnende Recherche das wahre Wesen der IHKn aufzudecken und wach zu werden. Was könnten die IHKn für ein Segen sein, wenn sie ihre Pflicht im Geiste des Auftrags erfüllten.
So, wie die Kammern ab 1868 gedacht waren, sind sie ein Geschenk an die Gesellschaft, wozu die Pflichtmitgliedschaft der gewerblichen Wirtschaft das einzig rechtfertigende Fundament ist.
September 2026
Anmerkung:
Walter Eucken richtete Ende der 1920er-Jahre als Dekan der Uni für seine Kollegen und deren Gattinnen ein Fest aus. Es sollte zu Ehren seiner aus Russland kommenden Frau ein „russisches“ Fest werden. Passende Speisen, Getränke sowie Kleidung und Dekoration zu organisieren, waren kein Problem, aber die Musik. Alexander Kresling, zeitgleich Lektor für Russisch an der Uni, spielte aktiv Bratsche. Durch einen glücklichen fakultätsübergreifenden Zufall war dann die Musik zum Fest gerettet; denn es gab wohl kaum jemanden, der aufgrund seiner Geburt und seinem musikbegleiteten Aufwachsen in Russland mehr Lieder kannte. Das Dekanatsfest wurde denn auch die Geburtsstunde des Russischen Chores, der heute noch existiert. Die Euckens pflegten mit Kresling und dem Chor eine lebenslange Verbindung, eine Treue, die mich als Chormitglied über diese Zeit hinaus berührte.